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Donnerstag, 8. April 2010
Kann man kochen aus Büchern lernen?
Schopenhauer hat einmal gesagt: Es wäre gut Bücher kaufen, wenn man die Zeit, sie zu lesen, mitkaufen könnte, aber man verwechselt meist den Ankauf der Bücher mit dem Aneignen ihres Inhaltes. Das gilt natürlich auch für Ernährungs- und Kochbücher und ihr Verhältnis zum Kochen und Essen: Es wäre gut Kochbücher kaufen, wenn man die Zeit, nach ihren Rezepten zu kochen, mitkaufen könnte. Das „Aneignen des Inhaltes“, indem man die Rezepte nachkocht, bleibt meist ein frommer Wunsche. Lesen ist eben nicht verstehen, verstehen ist nicht annehmen und annehmen ist nicht umsetzen. Deswegen lernt man gut essen, trinken und kochen leider nur selten aus Büchern. Es sei denn, man kann es schon. Dann lernt man aus guten Büchern sogar viel dazu.
Samstag, 26. September 2009
Schulobst – für die Tonne?
Das „Gezerre um das Schulobst“ – wegen läppischer 18 Millionen (.. also Kosten, die derzeit manche Bank dem Bund pro Tag verursacht) - ist nur einer unter vielen Schildbürgerstreichen unserer Politiker in der jüngsten Zeit. Vermutlich war’s die nahe Wahl, die zu guter Letzt die Äpfel doch noch ins Rollen gebracht hat, wie u.a. der aid berichtete:
Der Bundesrat hat in seiner letzten Sitzung am 18. September 2009 auf einen Einspruch gegen das vom Bundesrat bereits verabschiedete Schulobstgesetz verzichtet. Die Ampel für das Schulobst-Programm steht also nach unnötigem Hin und Her nun doch auf grün. Die Europäische Union stellt damit 20 Millionen Euro für das Schuljahr 2009/10 zur Verfügung, um Schülern kostenloses Obst zu finanzieren. Gescheitert wäre dieses ganz praktische Projekt zur Verbesserung der Essgewohnheiten in Schulen beinahe an der Kofinanzierung. Das heißt, etwa 18 Millionen Euro zusätzlich müssen von Deutschland aufgebracht werden, um an den europäischen Geldtopf zu kommen.
"Schulobst – für die Tonne?" vollständig lesen
Montag, 23. März 2009
Michelles Gemüsegarten
Kurze Meldung heute in den Zeitungen: Michelle Obama legt im Garten des weißen Hauses einen Gemüsegarten an. Sie wird mit dem Satz zitiert: „Ich möchte, dass unsere Familie, die Bediensteten und die Gäste im weißen Haus wirklich frisches Gemüse und Obst bekommen.“ Grundschüler aus Washington halfen kräftig mit, das hundert Quadratmeter große Rasenstück zu kultivieren. Sie sollen den Garten auch künftig pflegen und beim Pflanzen und Ernten helfen.
Wohl bekomms meint: Bei der Zahl an Gästen und Bediensteten dürften die paar Quadratmeter Garten für die Versorgung mit frischem Gemüse wohl ziemlich knapp bemessen sein. Die Gartenaktion hat allerdings über den Selbstversorgeraspekt hinaus sicher noch in anderer Hinsicht viel wichtigere symbolische Bedeutung. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges legte Eleanor Roosevelt einen Nutzgarten an und wollte damit ihren Landsleuten sagen: Wenn die Not wächst, kann jeder, der ein Stückchen Land besitzt, mit dem, was darauf gedeiht, zu seiner Versorgung beitragen. Ob wohl bei dem Gartenevent neben dem Wunsch nach Frische auch die Sorge um die Ernährung der Amerikaner in Krisenzeiten Pate stand?
Als Maßnahme der Ernährungserziehung ist die Aktion in jedem Fall vorbildlich. Politprominenz hat Vorbildfunktion, und Michelle Obama nutzt diese Möglichkeit offensiv "Ich hoffe, dass über die Kinder auch deren Familien erzogen werden, und dies wiederum die Gesellschaft erzieht", sagte Michelle Obama der New York Times.
„Ich will aber auch einen Garten haben“: Wenn jetzt zahllose amerikanische Kids ihre Eltern nerven, weil sie Gemüse pflanzen wollen, dann hat die Sache einen guten Zweck erfüllt. Übrigens: Michelle Obama hat sich schon mehrfach öffentlich für eine bessere und gesündere Ernährung vor allem der amerikanischen Kinder eingesetzt, von denen viele übergewichtig sind.
Donnerstag, 26. Februar 2009
Sarah Wiener: Nein, meine Suppe ess ich nicht!
Die Süddeutsche Zeitung berichtet heute in einer kurzen Meldung: "Sarah Wiener lässt immer Essen auf ihrem Teller liegen" und zitiert die bekannte Köchin: „Meine Mutter hat mich leider immer dazu gezwungen aufzuessen. Deshalb esse ich seitdem meinen Teller nie ganz leer.“
Wohl bekomms meint: Liebe Frau Wiener, ein Erwachsener im immerhin leicht fortgeschrittenen Alter von 46 Jahren sollte pubertäre Trotzreaktionen hinter sich gelassen haben. Ihre Mutter ärgern Sie mit diesem kindischen Verhalten vermutlich nicht mehr. Ich finde diese Marotte allerdings ziemlich ärgerlich. Ich hoffe, Ihr Spruch bezieht sich nicht auf das, was Sie sich selbst auf Ihren Teller laden: Da sollten Sie als Köchin gelernt haben, die Menge einzuschätzen, die sie essen wollen oder können.  Wer Ihnen dagegen beim Essen außer Haus zu viel auf den Teller lädt, würde Ihre konstruktive Kritik wohl eher respektieren als von jedem anderen.
Essen liegen lassen – wie lässt sich das mit Ihrem öffentlichen Engagement für nachhaltige Ernährung vereinbaren, in einer Zeit, in der Nahrung immer knapper wird?  Weltweit müssen immer mehr Menschen von gleichbleibenden Flächen ernährt werden. Natürlich nehmen die paar Kartoffeln, die Sie liegenlassen, keinem Hungernden das letzte Reiskorn vom Teller. Aber es geht auch darum, Zeichen zu setzen. Menschen wie Sie haben Vorbildfunktion. Mit dem Liegen-lassen von Essen auf dem Teller geben Sie ein schlechtes Beispiel. Es ist ein Zeichen von Überdruss im Überfluss und ein zeichen von schlechter Ernährungserziehung. Ich finde, Sie sollten Ihrer Mama einfach verzeihen und ihre große Fangemeinde dazu erziehen, für sich und ihren Nachwuchs nur soviel auf den Teller zu geben, wie nötig ist – statt so viel, wie möglich ist.
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