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Donnerstag, 1. Mai 2008
Kartoffel: Abseits der Preisrallye
Getreide lässt sich in riesige Schiffsbäuche füllen und rund um den Globus verfrachten. Die Kartoffel enthält viel Wasser und ist dadurch wesentlich empfindlicher: Sie würde im dunklen Schiffsrumpf schnell matschig und verrotten. Das erklärt, warum nur 6% der weltweit geernteten Kartoffeln grenzüberschreitend gehandelt werden. Sie eignet sich nicht als beliebig weltweit verschiebbares Exportprodukt.
Das macht sie gleichzeitig uninteressant für die Spekulation an den internationalen Warenterminbörsen. Während nicht nur die Verknappung, sondern auch die Spekulation die Preise für Weizen, Mais und  Reis an den internationalen Warenterminbörsen in die Höhe treibt, steht die Kartoffel am Rande der großen Preisrallye. Ihr Preis ist bis heute weitgehend von regionalen Witterungsbedingungen und Produktionskosten bestimmt und schwankt von Region zu Region erheblich.
Entsprechend fielen die Preissteigerungen für Kartoffeln in der jüngsten Zeit international weit geringer aus als beispielsweise bei Getreide und Reis. So gehört die Kartoffel also gerade in den armen Ländern immer noch zu den preiswertesten Lebensmitteln. Auch das trägt wesentlich dazu bei, dass die Kartoffel hilft, mehr Nahrungssicherheit zu gewährleisten und die Armut zu vermindern.     Â
Apropos Produktionskosten: Kartoffelanbau ist wesentlich arbeitsintensiver als die Getreideproduktion. Deshalb lohnt sich nach Ansicht der UNESCO-Experten der Kartoffelanbau überall dort besonders, wo Land knapp und Arbeitskraft im Überfluss vorhanden ist, was in den meisten Entwicklungsländern der Fall ist. Aufwändigster Schritt des Kartoffelanbaus ist die Pflanzung, die mit 30 – 50% der Produktionskosten zu Buche schlägt. In vielen Entwicklungsländern haben die Kleinbauern inzwischen eine pragmatische „ad hoc“-Methode zur Selection von Pflanzkartoffeln entwickelt: Nach der Ernte werden die größten und besten Kartoffeln verkauft, die mittelgroßen und die mit kleinen Fehlern werden selbst gegessen, die kleinsten werden für das nächste Auspflanzen aufbewahrt.
Übrigens: Interessierte finden im Toffi-Blog täglich Neues rund um die Kartoffel: Sehr informativ!
Montag, 28. April 2008
Kartoffel – wirksame Waffe gegen den Hunger?
Bereits im Januar waren hier ein paar Zeilen darüber zu lesen, dass die Generalversammlung der Vereinten Nationen die  Kartoffel zum „Food of the Future“ – Lebensmittel der Zukunft - erklärt und das Jahr 2008 zum internationalen Jahr der Kartoffel ausgerufen hat. Während die Kartoffeln auf den Tellern der Deutschen meist nur noch eine Randexistenz als Sättigungsbeilage fphrt, könnte sie in vielen Ländern der Welt künftig zu einer der wichtigsten Waffen gegen den Hunger werden: die Kartoffel. Â
Schon heute ist die Kartoffel nach Weizen und Reis die drittwichtigste Nahrungspflanze weltweit. Nach Angaben der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen FAO verschiebt sich der Schwerpunkt der Produktion immer mehr in die Entwicklungs- und Schwellenländer. Mehr als die Hälfte der 320 Millionen Tonnen Kartoffeln, die 2007 weltweit geerntet wurden, stammen bereits aus Asien, Afrika und Lateinamerika. Inzwischen ist China mit einer Erzeugung von 72 Millionen Tonnen im Jahr 2007 schon weltweit größter Kartoffelerzeuger – und der Kartoffelanbau soll dort künftig weiter massiv ausgedehnt werden. Indien plant die Verdoppelung der Kartoffelproduktion.
Für die Kartoffel als Basisnahrungsmittel für breite Bevölkerungsschichten sprechen viele Argumente: Als eine der produktivsten Nahrungspflanzen bringt die Kartoffel pro Hektar in kürzerer Zeit wesentlich höhere Erträge als z.B. Getreide. Unter entsprechenden klimatischen Bedingungen wachsen auf einem Hektar Land bereits nach 50 Tagen 20 Tonnen Kartoffeln zur Erntereife heran. Der essbare Anteil der Kartoffelpflanze liegt bei etwas 85% gegenüber nur etwa 50% bei Getreide. Durch ihren Gehalt an hochwertigem Protein und den hohen Vitamin C-Gehalt liefern Kartoffeln gerade bei Lebensmittelknappheit einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Eiweiß- und Vitaminversorgung.
Mehr Informationen auf der offiziellen Website zum „International Year of the Potato“ http://www.potato2008.org/en/index.html
Donnerstag, 24. April 2008
Paul McCartney isst kein Fleisch mehr und rettet die Welt damit
"Wenn irgendjemand versucht, den Planeten zu retten, ist alles, was er oder sie tun muss, aufzuhören, Fleisch zu essen.“ soll Paul McCartney (65) laut ddp-Pressemeldung gesagt haben. Das ist ein schlichter Gedanke, aber vom Grundsatz her gar nicht so falsch.
Bevor der Mensch das Fleisch in seiner Pfanne hat, verbraucht das Nutztier große Mengen Pflanzenfutter. Die Faustregel: Zur Erzeugung einer Kalorie aus tierischen Lebensmitteln werden sieben Kalorien aus pflanzlichen Futtermitteln gebraucht. Maismehl statt Futtermais, Sojabohnen für die Ernährung der Armen statt für die Schweinemast. Man kann es z.B. auch so sehen: Vom Mais, der gebraucht wird, um ein Schwein fett zu füttern, würden zur gleichen Zeit sieben Menschen satt. Nun gibt es Weniges, was fester in uns sitzt als lieb gewonnene Ernährungsgewohnheiten. Mit der Erfahrung von 65 Jahren sollte man wissen, dass absolute Forderungen meist ins Leere laufen. Aber: warum nicht auf die Hälfte oder ein Drittel reduzieren. Beim derzeitigen Verbrauch von ca. 60 kg Fleisch pro Kopf und Jahr blieben für jeden immer noch knapp 100g pro Tag. Immer noch mehr als genug für die Fleischesser und viel mehr für die, die derzeit gar nichts haben. Schon klar: Damit wäre der Planet noch nicht wirklich gerettet, aber es wäre ein beachtliches Zeichen gesetzt!
Mittwoch, 16. April 2008
Der Hunger kehrt zurück
Plötzlich starren uns aus allen Medien anklagende Augen aus ausgemergelten Körpern an. Ihre Botschaft: Gebt uns Nahrung!
Der Hunger ist zurück.
Eigentlich war er nie weg.
Die 850 Millionen Hungernden der Welt haben nicht erst seit den letzten 14 Tagen nichts mehr zu essen. Zurück ist nur das Interesse der Medien. Die Meute stürzt sich gierig auf das Thema, das seit den ganz großen Hungersnöten wie z.B. in Biafra Ende der 60er Jahre oder Äthiopen in den 80er Jahren in erster Linie während der vorweihnachtlichen Sentimentalitätsphase Konjunktur hatte. Jetzt wird klar, dass es mit Spendengalas nicht mehr getan ist. Der Hunger könnte sich als ebenso nachhaltig erweisen wie die Energiefrage; und weiter steigende Lebensmittelpreise dürften  uns mehr noch als die (an- und abflauende) Berichterstattung in den Medien eindringlich daran erinnern, dass Nahrung knapp wird.
Mittwoch, 17. Oktober 2007
Der Hunger ist noch lange nicht besiegt
Ist die Gefahr großer Hungersnöte heute gebannt? Ganz und gar nicht: „Von einer Entwarnung auf dem Gebiet der Ernährungssicherung kann keine Rede sein.“ – so das Fazit von Prof. Dr. Walter Schug in einem heute erschienenen Artikel in der Zeitschrift „Ernährung im Fokus“. Schug – bis 2006 Professor für Welternährungswirtschaft und Entwicklungspolitik am Institut für Agrarpolitik, Marktforschung nd Wirtschaftssoziologie der Universität Bonn - ist einer der wenigen ausgewiesenen Experten zu diesem Thema, und er stellt fest: „Vermutlich wird im Jahr 2050 eine Weltbevölkerung von 9,2 Milliarden Menschen existieren. Dies bedeutet innerhalb der kommenden 43 Jahre einen absoluten Zuwachs von 2,6 Milliarden Menschen, was erneut die extreme Herausforderung zum Beispiel an die Leistungsfähigkeit der Weltlandwirtschaft dokumentiert, die bei begrenzter, wenn nicht gar rückläufiger Flächenverfügbarkeit in erster Linie über eine entsprechende zunahme der Flächenproduktivität (Zunahme der Erträge pro ha) die Versorgung der größeren Bevölkerung sicherstellen muss.“
Dabei wird der Menschheit, so Schug, kaum eine andere Wahl bleiben als die grüne Gentechnik massiv weiterzuentwickeln, um den nötigen Produktivitätszuwachs zu erzielen. Eine Zahl, die Schug zitiert, mag man kaum glauben: Demnach liegen die sogenannten Nachernteverluste (durch Schädlinge, Verderb, falsche Lagerung etc.) auch heute noch im Durchschnitt bei 30% der Erzeugung. Gelingt es, diese Verluste künftig durch technische Verbesserungen im Bereich von Lagerhaltung, Verarbeitung und Transport stark zu vermindern, könnten mit der heute schon produzierten Nahrungsmittelmenge viele Millionen Menschen zusätzlich ernährt werden.   Â
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