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Freitag, 22. Mai 2009
Von der Fleischeslust der Deutschen
Die belgische Stadt Gent hat den „Veggiedag“ einfegührt. Auch den Deutschen würde ein fleischfreier Tag gut zu Figur stehen. Die Chancen dafür sind gering, denn das Fleisch ist stark. Anders ausgedrückt: Die Lust der Deutschen auf Fleisch ist ungebrochen. Der Pro-Kopf-Verzehr erreichte 2007 mit 61,5 kg pro Nase seinen höchsten Wert seit der Wiedervereinigung. Gestiegen ist vor alle der Appetit auf Schweinefleisch und Geflügel. Die Fleischwirtschaft geht davon aus, dass sich der Trend 2008 fortgesetzt hat.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt bereits seit langem, den Fleischgenuss zu beschränken – aber sie tut das sehr, sehr leise.  Sie tut es so leise, dass man vermuten könnte, sie möchte nicht, dass die mächtige Fleischlobby von den Empfehlungen hört. Die DGE empfiehlt 300g bis 600g Fleisch und Wurst pro Woche. In der Praxis wären das zum Beispiel 3 Portionen Fleisch à 150 g und 3 Portionen fettarme Wurst à 30 g. Gestandene Deutsche Männer schaffen das an 2 Tagen. Viele Männer, die insgesamt mehr Fleisch und Wurst verzehren als Frauen, kommen auf ein mehrfaches der von der DGE empfohlenen Menge. Realität sind eben 61,5 Kilogramm pro Jahr – im Durchschnitt sind das immerhin etwa 1,2 kg pro Woche. Das ist das Doppelte bis Dreifache dessen, was die DGE empfiehlt. Um sich da Gehör zu verschaffen, müsste auch eine DGE schon etwas lauter trommeln.
 Bestätigt wird die Lust auf immer mehr Fleisch auch von den aktuellen Zahlen des statistischen Bundesamtes. Wie die Wiesbadener Behörde in der vergangenen Woche mitteilte, ist die Fleischproduktion in Deutschland im ersten Quartal 2009 um 3,5 Prozent auf rund 1,9 Millionen Tonnen gestiegen. Dabei stieg im Vergleich zum Vorjahr vor allem die Erzeugung von Schweinefleisch und Geflügel, während Rindfleisch leicht rückläufig war. Die Produktion von Schweinefleisch stieg den Angaben zufolge um 4,7 Prozent auf 1,3 Millionen Tonnen. Bei Geflügelfleisch betrug die Zunahme 3,6 Prozent auf fast 301.000 Tonnen. Die Rindfleischproduktion sank um 1,5 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2008 auf knapp 292.000 Tonnen. Â
Sonntag, 17. Mai 2009
TUIfly: Dort wirst Du abgezockt
Aus der Rubrik „Verdauungsstörungen“: Da läuft mir die Galle über!
Ärger am heiligen Sonntag. Meine Frau und ich buchen parallel Tickets für eine Geschäftsreise im Juni nach Berlin. Der Rechner meiner Frau sagt „Pling“. Sie hat erfolgreich gebucht. Zwei Minuten später bin ich ebenfalls soweit, klicke „jetzt buchen“ – und bin genervt: „Ein Fehler ist aufgetreten – Ihre Buchung ist zu den angegebenen Daten nicht möglich. Bitte wiederholen Sie den Vorgang“.
Wieso ist diese Buchung nicht möglich? Meine Frau hat vor zwei Minuten gebucht. Der neue Versuch liefert umgehend die Erklärung: Mein Flug ist jetzt 25 Euro teurer. Vermutlich ist es rechtens, dass die TUI-Software nach Erreichen einer vorprogrammierten Schwelle die Preise automatisch anhebt. Dass dabei laufende Buchungsvorgänge einfach abgebrochen werden, der bereits ausgewiesene Preis einfach gecancelt wird, und der Kunde fast 15% mehr bezahlen muss, ist in meinen Augen trotzdem brutale Abzocke!
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Montag, 16. März 2009
Eine halbe Tonne Müll - Ein Grund mehr fürs Selber-Kochen
Die Statistiker des EU-Statistikamtes haben im Müll gewühlt – das Ergebnis ist jetzt im Europäischen Müllreport zu lesen: Im Jahr 2007 produzierte jeder Europäer 522 Kilogramm Abfall – eine halbe Tonne! Lebensmittelverpackungen dürften daran einen erheblichen Anteil haben: Joghurtbecher, Konservendosen, jede Menge Plastik, Folien, Schokoladenpapier, Pizzakartons, Milchtüten, der Umkarton und die Plastikschale mit der Alufolie vom Fertiggericht, und, und, und.
Wohl bekomms meint: Die Zeiten, in denen ich in Kindertagen die Milch mit der Milchkanne beim Bauern geholt habe, sind wohl unwiederbringlich vorbei. Aber: Wer Lebensmittel auf dem Wochenmarkt oder beim Bauern kauft und sie selbst zubereitet, der hat nicht nur immer Frisches auf dem Tisch, sondern spart zudem jede Menge Verpackung (Jutebeutel oder Einkaufskorb nicht vergessen!). Zudem spart er oft noch Geld: regionale und saisonale Lebensmittel vom Erzeuger sind meist billiger als im Supermarkt.
Kurios: In unserem 2000-Seelen-Dorf erreiche ich den nächsten Bauern mit Hof-Verkauf zu Fuss. Zum 4 Km entfernten nächsten Supermarkt komme ich kaum ohne Auto.
Donnerstag, 5. März 2009
Detox true fruits: Ein Smoothie, der seltsame Blüten treibt
Unter der Marke detox bringt der Edel-Smoothie Hersteller true fruits seit Neuestem eine neue Produktkategorie auf den Markt: die detox Smoothies.  Sie enthalten exotische Zutaten in ungewöhnlicher Kombination. Detox green ist der erste Smoothie aus der detox-Reihe. Die dominierende und geschmacksgebende Frucht in detox green ist die Frucht Cajú. In Europa ist sie nahezu unbekannt. Originaltext true fruits: „Die Cajúfrucht ist eine birnenförmige Frucht mit einem süß-herben Aroma. Ihre Farbe variiert von zartgelb bis leuchtend rot. In Brasilien wird die Frucht bereits seit langem bei der Zubereitung frischer Fruchtsäfte verwendet. Das satte Grün erhält detox green aber erst durch die frischen Minzblätter. Der gewagte Mix aus Limetten, frischen Minzblättern und Cajú sorgt für den einzigartigen Geschmack von detox green.“
Wohl bekomms meint: So weit, so gut. Die true fruits Smoothies sehen in der wertigen Glasflasche nicht nur schön aus, sie schmecken auch wunderbar (..zumindest die, die ich bisher kenne). Bei true fruits passte bisher auch das, was drauf steht, zu dem, was drin ist – für diese Kombi zahlt man schon gerne mal den vergleichsweise hohen Preis. Aber muss nun unbedingt eine Linie mit dem Label „detox“ kommen? Schließlich ist der Begriff „detox“ eindeutig vorbelastet.
Schon lange bieten Schönheitsindustrie und Hersteller von Nahrungergänzungsmitteln unter dem "Detox"-Label Produkte an, die medizinische Wunder vollbringen sollen. Die Detoxing-Idee geht davon aus, dass Lebensmittel, Genussmittel und schädliche Umweltfaktoren zur Ablagerung schädlicher Schlacken in unserem Körper führen. Der Begriff "Detox", den das "Oxford English Dictionary" mit der "Entfernung giftiger Substanzen" definiert, wird in den letzten Jahren zunehmend von Herstellern gebraucht, um Tees, Duschgels, Shampoos und Nahrungsergänzungsmittel zu verkaufen, die dem Körper angeblich bei der Entgiftung helfen sollen – was in der Regel blanker Unsinn ist. Warum muss sich ein so gutes Produkt wie true fruits nun mit einer so fragwürdigen Vokabel schmücken? Das grenzt für mich an Verbrauchertäuschung. „Er ist grün, er ist sexy, er ist neu“, behauptet der Hersteller über detox green - was auch immer detox true fruits Smoothies sind und können – entgiften können sie den Verwender nicht. Den „Bundesehrenpreis des Ernährungsministeriums für Fruchtgetränkehersteller“, den das Unternehmen noch im letzten Jahr erhalten hat, sollte man als Strafe für diese Wortschöpfung wieder aberkennen.
Mehr über Smoothies bei wohl bekomms z.b. hier, hier und hier sowie hier
Samstag, 14. Februar 2009
Sparbrötchen – nein danke!
Sind die Verbraucher durch Sparwut und geilen Geiz mit Schuld daran, wenn die Qualität der Lebensmittel nicht stimmt - wie ich es vorgestern behauptet habe? Meine Kollegin Ulrike Gonder - kritische Ernährungswissenschaftlerin und Buchautorin (sehr empfehlenswert: ihr jüngstes Werk zum "Fett!") meint in Ihrem Gastbeitrag:
Wenn es um die Ernährung geht, ist Geiz völlig fehl am Platz:

" Verbraucherschutz ist heute wichtiger denn je: Die Güter, die wir verbrauchen, kommen aus aller Herren Länder, wurden unter verschiedensten gesetzlichen, ökologischen, ökonomischen und sozialen Umständen erzeugt. Wir essen überwiegend Dinge, die andere für uns angebaut, verarbeitet, verpackt, transportiert und zubereitet haben. Wir sind abhängig von Farmern am anderen Ende der Welt, von Firmen und Händlern mit vorrangig wirtschaftlichen Interessen. Also brauchen wir jemanden, der für unsere Sicherheit sorgt, uns vor Täuschung schützt und die Risiken des Verbrauchens begrenzt.
Auch Verbraucher haben wirtschaftliche Interessen, und es spricht nichts gegen cleveres Wirtschaften im Haushalt. Manches Ernährungsproblem ließe sich dadurch sogar lösen. Doch wenn Verbraucherschutz zur Sparbrötchen-Politik verkommt, wird’s unangenehm. Gerade beim Essen ist Geiz überhaupt nicht geil. Wo nur der Preis regiert, bleibt die Qualität schnell auf der Strecke. Warum eine Pizza für wenige Cent kaufen, wenn die Beschaffenheit ihrer Zutaten viele Fragen offen lässt? Warum die billigste Milch, wenn die Bauern nicht einmal den Herstellungspreis dafür bekommen? Warum das billigste Fleisch, wenn die Tiere dafür von ungelernten Hilfsarbeitern unter fragwürdigen Bedingungen geschlachtet werden? Warum die Flasche billigen Fusel, wenn ein Glas eines guten Tropfens doch so viel mehr Genuss verspricht? Wäre es nicht besser, gesünder und damit auch wirtschaftlicher, preiswerte Lebensmittel einzukaufen: die ihren Preis wert sind, selbst wenn es nicht die billigsten sind? Wollten wir uns nicht vollwertig ernähren, mit schmackhaften, nachhaltig erzeugten Lebensmitteln? Sparbrötchen fallen nicht in diese Kategorie."
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Donnerstag, 31. Juli 2008
Schimmel im Brotkasten: Vorbeugen mit Essigessenz
Sie freuen sich ganz besonders über die tropische Luftfeuchtigkeit in diesen Tagen: Die Schimmelpilze. Brot, Obst, sogar Gemüse schimmeln schneller, als man sie verbrauchen kann. Ganz ungewöhnlich: Einige Bohnen, die ich gestern frisch vom Strauch im Garten gepflückt habe, waren heute abend mit einem Schimmelpelz belegt. Nun ja – es hat mir die Lust auf meine Bohnen-Schinken-Pfanne mit Bratkartoffeln nicht verdorben (..ein leckeres, schnelles Sommergericht).
Das Roggen-Misch im Vorratsschrank war schon beim Anschneiden vor zwei, drei Tagen klätschig und feucht. Wo gibt es eigentlich noch ordentlich ausgebackene Brote? Heute hat es ein paar verdächtig graue Stellen. Der Geruchstest sagt mir: Da ist der Schimmel am Werk – also weg damit. In den nächsten Tagen werde ich mich an die altbekannten Vorsichtsmaßnahmen halten: Für Brot und Brötchen empfiehlt sich an erster Stelle eine regelmäßige und sorgfältige Reinigung des Brotbehälters. Alte Brotreste und Krümel begünstigen zusammen mit hoher Luftfeuchtigkeit die Entstehung von Schimmel. Am besten werden Brotkästen oder Keramiktöpfe im Haushalt alle ein bis zwei Wochen mit Essig oder Essigessenz-Lösung gereinigt, bei sommerlichen Temperaturen vorsorglich sogar noch häufiger. Dabei ist keine "Haushaltschemie" nötig, denn das alte Hausmittel Essig wirkt zuverlässig, trockenes Auswischen oder Spülen mit Leitungswasser nützt dagegen wenig. "Entscheidend ist die Verschiebung des pH-Wertes durch die Essigsäure", erklärt der Ernährungswissenschaftler Dr. Heiko Zentgraf: "Sie schafft ein saures Milieu, in dem der Schimmel keine Chance hat. Dabei wirken (unverdünnter!) Branntwein- und Obstessig ebenso gut wie eine Lösung aus Essigessenz (im Verhältnis 1:10 mit Wasser). Wichtig ist, anschließend den Brotbehälter mit einem Papiertuch sorgfältig trocken zu wischen!" Für die Brotaufbewahrung gilt, dass Brot und Brötchen prinzipiell auch im Sommer bei Zimmertemperatur gut aufgehoben sind. Bei extrem schwül-warmer Witterung mit hoher Schimmelgefahr kann eine kurzfristige Zwischenlagerung im Kühlschrank sinnvoll sein, obwohl sie dort bei drei bis fünf Grad schneller altbacken werden. Deshalb eignen sich im Hochsommer Tiefkühlschrank oder -truhe noch besser für den Brotvorrat: Bei 18 Minusgraden ist man in Sachen Schimmelschutz auf der sicheren Seite.
Quelle: www.food-monitor.de  / Getreide-, Markt- u. Ernährungsforschung www.gmf-info.de
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